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Kurzgeschichte

Diese Schlagwort ist 9 Beiträgen zugeordnet

Klatschmohn und Stella

Meine Füße baumeln und der Wind fährt mir unter das Kleid. Wir sind die einzigen, die am Bushäuschen warten. Es fängt gerade erst an, richtig Tag zu werden. Ein paar bunte Ranzen hüpfen vorbei. Mutter sagt, ich werde auf eine tolle Schule gehen und die Sonne malt ihr dabei einen Schmetterlingsschatten unter ihre Nasenflügel. Werbeanzeigen

Lisboa

Peter sagt, ihm tuen die Füße weh, geht hinüber und setzt sich auf eine Bank. Dann holt er seine Kladde aus der Fototasche, betupft die Miene seines Bleistifts mit etwas Speichel und beginnt zu schreiben. Peter hat die Fototasche getragen. Den ganzen Tag. Es war heiß und der Gurt hat tiefe Kerben in seine Schulter … Weiterlesen

Fritz IX – Keine Vögel auf dem Drahtseil

Die Menge aus staunenden Statuen in krachlederner Tracht öffnete sich vor mir wie ein schwerer, samtener Vorhang. Sie schienen alle nicht bei Sinnen zu sein, glotzten, als hätten sie gerade etwas unglaubliches Gesehen. Und auch ich wollte es sehen. Neugierig streifte mein Blick die Menge, ging dann zu Fritz hinüber, der eine Gabel in der … Weiterlesen

Fritz VIII – Guru

„Wo anders braucht`s das aber nicht abzuziehen“, schmatzte der Capo, der gerade dabei war eine Schweinshaxe mit Kartoffelsalat hinunterzuschlingen. Wie ein Schwein über dem Trog, hing er über dem Teller. „Ihr habt Glück, dass wir hier noch Spaß verstehen“.

Soundtrackstory III – ein asiatisches Requiem

Diese Frau war eine Herausforderung. Sie ließ mich nicht los, als habe sie die Kontrolle über meine Gedanken erlangt; sie spielte damit, zog abwechselnd an einem und dann an einem anderen Strang, als würde sie stricken – bunte Gedanken stricken.

Soundtrackstory I

Ich bestellte mir gerade einen Drink in der Hotelbar. Nach dem verpatzten Geschäftsessen konnte ich einen Cognac gut gebrauchen. Ich war schon oft hier gewesen und immer lief es gut, hatte mein unschlagbares Gewinnerlächeln aufgesetzt, mein Gesicht mit überaus charmanter Selbstsicherheit glattgestrichen, mein Haar mit lässiger Coolness gegelt. Den Erfolg hatte ich bereits beim Aperitif … Weiterlesen

Schnee

Die Gummibänder reiben an der Haut. Sie ist davon schon ganz rot und wund. Lucas Kopf ist zu groß. Das weiße Textil wölbt sich über der krummen Nase, lässt sie nicht atmen und die Bänder schneiden kontinuierlich, wie ein feines Messer, oberhalb der krummen Ohrmuschel.

Marienhof-Scheiße, Stuttgart 21 und Löffel im Karton

Studentenpartys, Wohnheimfeste, Semester Opening Feten und überall Aperol Sprizz in Kanistern. Ich sehe ihnen zu, wie sie es sich in die Kehle gießen, pikiert die Gläser umfassen: Sind es normale Gläser, dann oben am Rand, bei Sektgläsern wird nicht der Stil zum Klammern benutzt, sondern das gesamte Glas fest umschlossen, als würde das besonders alternativ … Weiterlesen

Als die Raupen schliefen

Die Seidenraupen verschwanden vor ein paar Tagen. Sie waren ohne Anzeichen eines gewaltsamen Eindringens aus dem Kokonhaus gestohlen worden. Die Maulbeerzweige lagen da wie unberührt, als hätte man jedes Tier von seinen Blättern gepickt. Kein Glas und keine Tür gingen zu Bruch und der einzige Schlüssel zum Haus hing nach wie vor um den faltigen … Weiterlesen

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