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landleben

Vatertag. Herrlich.

Ponyhufe klappern auf Asphalt. Der Reiterhof macht einen Ausritt und kleine dicke Kinder sitzen auf den Pferdchen. Das sieht lustig aus, denn alle Ponys werden von genervten Vätern an den Zügeln geführt. Sie sind allesamt sehr schlaksig, tragen einen Pullover kunstvoll um die Hüfte geschnürt, er ist meist rot wie die Wut, selten blau. Dazu eine Sonnenbrille und Baseballcap. Anzüge schlurfen Richtung Kirche und andere müssen mit ihren kleinen Schrazenkindern spazieren gehen. Was ist aus dem guten alten Bollerwagenspaß zum Vatertag geworden? Eine Hommage. Eine Abenteuergeschichte.

Es sieht archaisch aus. Drahtige Männer in Trekkingkleidung, Outdoorjacken. Sie scharren sich um ein Sarg ähnliches Gebilde – ein Maxi-Bollerwagen mit Monstertruckreifen und Deckel aus Massivholz. Wenn man ihn transformermäßig ausklappt ist wohl ein ganzes Bierzelt darin. Der Wagen: Marke Eigenbau. Zwei Mann müssen ihn ziehen. Sie tun es aufopferungsvoll. Hinten ein Fahrradfähnchen mit FC Bayern Logo drapiert, das im Takt hin und her segelt. Die meisten sind keine Väter. Aber das tut nichts zur Sache. Spucke dampft auf dem Asphalt. Kupfersulfatblaue Nikotinwolken steigen gen Himmel. Gleich werden sie in die Wildnis aufbrechen, Bären erlegen und mit Macheten den Dschungel kurz und klein schlagen auf dem Weg zum höchsten Berg im Gehumkreis von zwei Stunden. Ein echter Brocken: 730 Meter über Normal Null. Aber der FC Bayern Fanclub hat schon viele Herausforderungen gemeistert: Saunabesuche, Studienfahrten in die Allianzarena und Familiengartenfeste mit Jägermeister.

Auffe auf’n Berg. Sie kennen das Wort „Gefahr“ nicht, denn es steht im Duden. Vorbei an einer Gruppe im Gras fläzender wilder Tiere. Herrenlos, gefährlich, schlafend. Hier die erste Rast. Nun offenbart sich das Innenleben des Wägelchens: Ein Kasten Bier, ein Kasten Weißbier und fünf Bier- und Weizengläser in einer Styroporkonstruktion sicher verstaut . Alles was der Fan zum Überleben braucht.

Ein Wildtier fühlt sich vom Getrinke gestört. Es rast auf die Gruppe zu. Geschrei. Bier spritzt. Die Bollerwagenbremse löst sich und das Wägelchen kullert den Berg hinunter durch das Dorf; hindurch durch die offen stehende Wirtshaustür direkt in die Gaststube und der Wirt kratzt sich ein Fragezeichen, schaut verwundert, ängstlich. Doch die Fans haben alles im Griff. Es war nur Instinkt. Das Wildtier macht ein paar müde Schritte auf den Provokateur zu. Der Club-Kapo weiß was er tut. Er flüstert dem Tier etwas ins Ohr und der Schlaf rieselt wie eine glitzernde Wolke auf das Tier hinab. Die Ausrüstung ist verloren. Aber das macht nichts. Sie würden nicht umkehren. Sie haben eine Mission. Der Gipfel ist so nah. Man kann bereits das Wirtshaus sehen.

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